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ISO/PAS 8800 und die Sicherheit von KI in Straßenfahrzeugen

Künstliche Intelligenz (KI) entwickelt sich rasch zu einem Kernelement moderner Fahrzeugfunktionen – insbesondere in automatisierten Fahrsystemen (ADS). Zwar decken bestehende Sicherheitsstandards für Starßenfahrzeuge viele traditionelle Risiken ab, doch wurden sie nicht dafür konzipiert, das datenabhängige und nicht deterministische Verhalten von KI-Systemen vollständig zu erfassen. Um diese Lücke zu schließen, hat die Automobilindustrie die ISO/PAS 8800:2024 „Straßenfahrzeuge – Sicherheit und künstliche Intelligenz“ erarbeitet, eine öffentlich zugängliche Spezifikation, die definiert, wie KI-bezogene Sicherheit im Rahmen der Fahrzeugentwicklung systematisch gemanagt werden kann. Eine öffentlich zugängliche Spezifikation (Publicly Available Specification, PAS) ist eine Vorstufe zu einer internationalen Norm, insbesondere in neuen oder sich schnell entwickelnden Technologiebereichen.

Was ISO/PAS 8800 leistet

Der Anwendungsbereich der ISO/PAS 8800 umfasst sicherheitsrelevante Fahrzeugsysteme, die KI-Elemente enthalten. Dabei liegt der Schwerpunkt auf Komponenten, die auf maschinellem Lernen (ML) basieren. Ihr Ziel ist es nicht, bestehende Sicherheitsstandards zu ersetzen, sondern diese dort zu ergänzen, wo KI neue Risikoquellen mit sich bringt.

Die ISO/PAS 8800 stellt u.a. folgende Dinge bereit:

  • einen KI-spezifischen Sicherheitslebenszyklus, der auf Entwicklungsprozesse in der Automobilindustrie  abgestimmt ist,
  • auf KI-Systeme zugeschnittene Konzepte und Terminologie sowie
  • Prinzipien zur Erstellung von Sicherheitsargumentationen bzw. -nachweisen, die die Abwesenheit unangemessener Risiken aufgrund des KI-Verhaltens begründen.

Ein wesentliches Charakteristikum der ISO/PAS 8800 ist die Erkenntnis, dass Daten selbst zu einem Sicherheitsartefakt werden. Trainings-, Validierungs- und Testdatensätze müssen als integraler Teil des Sicherheitslebenszyklus behandelt werden.

Beziehung zur ISO 26262 (Funktionale Sicherheit)

Die ISO 26262 befasst sich mit Gefahren, die durch Fehlfunktionen verursacht werden, wie z. B. systematische und zufällige Fehler/Ausfälle. Wenn KI-Elemente beteiligt sind, bleiben viele dieser Konzepte anwendbar – erfordern jedoch eine an KI-Architekturen angepasste Interpretation. ISO/PAS 8800 baut auf ISO 26262 auf, indem es:

  • die anwendbaren normativen Anforderungen auf KI-Elemente abstimmt,
  • die Entwicklungs- und Verifikationsaktivitäten hinsichtlich KI-bezogene Ausfäller erweitert und
  • KI-Verhalten in Sicherheitsnachweise/Argumente integriert.

Bezug zur ISO 21448 (SOTIF)

ISO 21448, allgemein bekannt als Sollfunktionssicherheit (SOTIF), befasst sich mit Gefahren, die trotz Fehlerfreiheit auftreten und durch funktionale Unzulänglichkeiten verursacht werden. In KI-basierten Systemen resultieren SOTIF-Risiken häufig aus:

  • Wahrnehmungsbeschränkungen,
  • unvollständigen Spezifikationen oder
  • unzureichender Abdeckung realer Szenarien in den Trainingsdaten.

ISO/PAS 8800 verfeinert den SOTIF-Ansatz, indem es bis auf die Ebene der KI-Komponenten vordringt. Es ermöglicht Teams, KI-spezifische funktionale Unzulänglichkeiten zu identifizieren, diese auf Ursachen wie Datenlücken oder Einschränkungen des KI-Modells zurückzuführen und Maßnahmen auf KI-Ebene mit SOTIF-Maßnahmen auf Systemebene zu verknüpfen.

Komplementäre Sicherheitsstandards

Zusammen adressieren die drei Normen unterschiedliche, sich jedoch ergänzende Risikoursachen:

  • ISO 26262 (Funktionale Sicherheit) – Gefahren aufgrund von Fehlfunktionen, d. h. aufgrund von Fehlern/Ausfällen
  • ISO 21448 (SOTIF) – Gefahren aufgrund funktionaler Unzulänglichkeiten im fehlerfreien Zustand
  • ISO/PAS 8800 (KI-Sicherheit) – KI-spezifische Risiken, die durch Unsicherheit, Lernverhalten und Datenabhängigkeit bedingt sind

Dieser mehrschichtige Ansatz ermöglicht umfassendere und besser begründbare Sicherheitsnachweise für KI-gestützte Fahrzeugfunktionen.

Warum ISO/PAS 8800 für Automobilingenieure und Safetymanager wichtig ist

Für Ingenieure und Safetymanager, die KI-gestützten Systeme entwicklen, stellt die ISO/PAS 8800 das fehlende Bindeglied zwischen etablierten Sicherheitsstandards für die Automobilindustrie und den besonderen Herausforderungen dar, die durch maschinelles Lernen (ML) entstehen. Das Verständnis der Wechselwirkungen mit funktioanler Sicherheit und SOTIF wird für glaubhafte Sicherheitsargumentationen in der modernen Fahrzeugentwicklung immer wichtiger.

Wie die tudoor academy Ihnen helfen kann

Durch ihre Beteiligung an den Normungsaktivitäten zur ISO/PAS 8800 verbinden die tudoor academy Expert:innen der samoconsult GmbH fundierte Kenntnisse über Sicherheitsstandards mit praktischer Umsetzungserfahrung. Durch Beratungsleistungen und auf maßgeschneiderte Schulungen helfen wir Teams dabei, das notwendige Verständnis für KI-Sicherheit im Einklang mit der ISO/PAS 8800 aufzubauen. Wenn Sie mehr über unsere Schulungs- oder Beratungsangebote zur ISO/PAS 8800 erfahren möchten, kontaktieren Sie uns bitte.

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Elena Bley
Senior Manager Webinars & Training
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