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FuMaMa 2019-2020: Fuzzy-Maßnahmen-Management

Gefördert durch ProFIT
Projektpartner: TU Berlin Fachgebiet Qualitätswissenschaft
Ansprechpartner: Prof. Dr. Roland Jochem

Ausgangssituation

Dauerhaft hohe Qualität ist nicht das Ergebnis der Anwendung einer Methode oder eines Vorgehens. Vielmehr kann es als Resultat des kontinuierlichen Strebens nach Verbesserung und Adaptation an sich verändernde Rahmenbedingungen verstanden werden. Diese Geisteshaltung spiegelt sich in dem PDCA-Zyklus – Plan, Do, Check, Act – wieder.

Die Softwareentwicklung in der Automobilindustrie wendet die ISO 26262-6 für funktionale Sicherheit an, wenn die zu entwickelnde Software sicherheitsrelevante Aufgaben übernehmen soll. So ist beispielsweise eine Software für die Lenksteuerung oder das Bremssystem sicherheitsrelevant, weil ein Versagen der Software zu Schäden an Menschen führen kann. Die ISO 26262-6 schreibt daher qualitätssichernde Maßnahmen vor, die in der Entwicklung solcher Softwareprodukte eingesetzt werden müssen.

Derzeit werden viele einzelne Tools und manuell erstellte Reports verwendet, um die Ergebnisse der Qualitätssicherung nach der ISO 26262-6 zu erfassen. Diese heterogene Datenbasis ist unübersichtlich und daher für einzelne Projekte schwer bestimmbar. Automotive Softwarehersteller wollen daher die Konformität des Softwareentwicklungsprozesses an einer zentralen Stelle einsehen und erforderliche Gegenmaßnahmen effizient bestimmen.

Zielsetzung und Nutzen

Die Motivation des Kooperationsprojekts zielt auf ein ganzheitliches Management von Qualität im Sinne des PDCA-Zyklus. Hinsichtlich eines kontinuierlichen Verbesserungsprozesses ist es somit nicht nur notwendig, die Qualitätslage systematisch zu messen und zu überprüfen, sondern auch sowohl effektiv als auch effizient zu verbessern.

Der wesentliche Fokus des Projekts liegt auf der Automatisierung der Maßnahmenermittlung. Basierend auf dem ermittelten Konformitätsstatus in einem Projekt sollen aus der umfassenden Menge von Optionen diejenigen Maßnahmen definiert werden, die die Konformität effizient und wirksam herstellen. Dazu soll ein To-Do-Listen Generator entwickelt werden, welcher basierend auf der Fuzzy Set Theory zu gegebenen Verteilungen der Qualitätsparameter sowie deren Aggregation durch das Qualitätsmodell geeignete Gegenmaßnahmen vorschlägt. Über die reine Bewertung hinaus werden damit auch Gegenmaßnahmen identifiziert und der PDCA-Zyklus vollständig umgesetzt. Dies entspricht dem hohen Praxisbedarf nach effizienter Softwareentwicklung in hoher Qualität.

Das Empfehlungssystem soll für spezifische Gegenmaßnahmen so gestaltet sein, dass potenzielle Anwender ohne weiterführende Vorerfahrungen oder tiefergehendes Fachwissen systematisch und objektiv Verbesserungen anstoßen und umsetzen können.

Automotive Softwarehersteller suchen nach einer ganzheitlichen Betrachtung von ISO-Konformität sowie automatisierter Generierung von Gegenmaßnahmen. Daher soll das Empfehlungssystem in das Tool MES Quality Commander integriert werden. So können notwendige Schritte zur ISO-26262-6-Konformität, wie zum Beispiel das Identifizieren von Gegenmaßnahmen, automatisiert ermittelt werden.

Projektparter: Model Engineering Solutions GmbH

Die Model Engineering Solutions GmbH (MES) ist eine Software-Hochtechnologie-Firma spezialisiert auf die integrierte Qualitätssicherung eingebetteter Software im Automobil. MES wurde im Oktober 2006 gegründet. Geschäftsführer sind Dr. Heiko Dörr (CEO) und Dr. Hartmut Pohlheim (CTO).

MES entwickelt und vertreibt seit seiner Gründung Werkzeuge, die die Entwicklung eingebetteter Fahrzeug-Software durch konstruktive und analytische Qualitätssicherung unterstützt. Neben der Werkzeugentwicklung ist MES auch beratend im Bereich der modellbasierten Entwicklung eingebetteter Software tätig und bietet z.B. Unterstützung bei der Definition effizienter Entwicklungsprozesse. Kunden sind die großen deutschen Automobilhersteller wie die Daimler AG, Volkswagen und Audi, sowie Zulieferer der Automobilindustrie, wie z.B. Continental, Bosch und Siemens.

Projektpartner: Technische Universität Berlin

Das Produktionstechnische Zentrum an der Technischen Universität Berlin steht seit einem Viertel-jahrhundert für zukunftsweisende Forschung und Lehre. 25 Jahre interdisziplinäre Zusammenarbeit haben die Berliner Qualitätswissenschaft in eine herausragende Stellung sowohl im wissenschaftlichen als auch industriellen Umfeld gebracht.

Das Fachgebiet Qualitätswissenschaft am Instituts für Werkzeugmaschinen und Fabrikbetrieb der TU-Berlin beschäftigt sich mit der Forschung und Entwicklung von Ansätzen und Methoden zur modellbasierten, ganzheitlichen Qualitätsbeschreibung und -bewertung sowie den Vorgehensweisen zur Anwendung der entwickelten Methoden im Produktlebenszyklus sowohl in Produktions- als auch Dienstleistungsunternehmen. Ziel ist neben einer erhöhten Produkt- und Prozessqualität die verbesserte Effizienz der Organisation in Unternehmen.